KI-Texte kennzeichnen.

Geprüft am

Kurzantwort

Ein KI-geschriebener Text braucht in der EU nur dann einen sichtbaren Hinweis, wenn jemand, der KI beruflich nutzt, ihn veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, etwa Politik, öffentliche Gesundheit oder Wirtschaft, und kein Mensch ihn unter redaktioneller Verantwortung geprüft hat (Artikel 50 Absatz 4 Unterabsatz 2). Interne Dokumente, private Nachrichten und Texte ohne Bezug zu solchen Themen fallen nicht darunter.

Amtliche Quellen: KI-Verordnung, Artikel 50 Absatz 4 · Leitlinien der Kommission zu Artikel 50

Die drei Prüffragen

Wann ein KI-Text nach Artikel 50 Absatz 4 gekennzeichnet werden muss, nach den Leitlinien der Kommission
PrüffrageErfüllt, wennNicht erfüllt, etwa bei
Veröffentlicht?Für eine unbestimmte, recht große Zahl voneinander unabhängiger Leser zugänglich, kostenpflichtig oder kostenlosPrivaten Nachrichten, einer kleinen geschlossenen Gruppe, internen Unternehmensnetzen
Informiert er die Öffentlichkeit?Er vermittelt Wissen, Meinungen oder FaktenKurzen Texten, die kein Wissen, keine Meinung und keine Fakten vermitteln
Angelegenheit von öffentlichem Interesse?Politik und demokratische Prozesse, Verwaltung, Justiz, Grundrechte, öffentliche Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Verbrauchersicherheit, wirtschaftliche, finanzielle, politische, wissenschaftliche oder kulturelle Entwicklungen in der öffentlichen DebatteThemen ohne diesen Bezug

Alle drei müssen zutreffen. Dann muss der Betreiber den Text deutlich kennzeichnen, etwa mit einem sichtbaren Hinweis, es sei denn, die folgende Ausnahme greift.

Die Ausnahme: menschliche Prüfung und redaktionelle Verantwortung

Kein Hinweis ist nötig, wenn der KI-Text „einem Verfahren der menschlichen Überprüfung oder redaktionellen Kontrolle unterzogen“ wurde und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt. Die Leitlinien legen die Latte hoch: Gemeint ist eine bewusste inhaltliche Prüfung durch Menschen mit einschlägigem Wissen, und eine Faktenprüfung ist das Mindeste.

Beispiele aus den Leitlinien der Kommission: Hinweis nötig?
TextHinweis nötig?
Ein mit KI bearbeiteter Zeitungsartikel oder eine KI-Zusammenfassung unter der redaktionellen Kontrolle der ChefredaktionNein
Ein mit KI bearbeiteter wissenschaftlicher Blog eines Forschungszentrums nach interner BegutachtungNein
KI-generierte Warnungen zur öffentlichen Sicherheit, von einer zuständigen Person des Katastrophenschutzes freigegebenNein
Ein KI-generierter Nachhaltigkeitsbericht, von Fachleuten wie der Compliance-Abteilung geprüftNein
Eine KI-Übersetzung eines von Menschen geschriebenen Artikels, die eine Person geprüft hatNein
Eine Website, die KI-generierte Artikel zur EU-Politik ohne jede bewusste menschliche Prüfung veröffentlichtJa

Wer die redaktionelle Verantwortung trägt, soll leicht zu finden sein: Die Leitlinien erwarten, dass Name und Kontaktdaten der verantwortlichen Person, Funktion oder Firma öffentlich sind, etwa im Impressum einer Website.

Die Seite der Anbieter: Wasserzeichen in Texten

Unabhängig davon müssen Anbieter von Textgeneratoren ihre Ausgaben maschinenlesbar markieren (Artikel 50 Absatz 2). Freier Text kann keine Metadaten tragen; der Praxisleitfaden lässt dafür nach der Zusammenfassung der Bundesnetzagentur ein nicht wahrnehmbares Wasserzeichen genügen und nimmt sehr kurze Texte aus.

Fragen

Muss ich einen Blogbeitrag kennzeichnen, den ich mit ChatGPT geschrieben habe?
Nur wenn er veröffentlicht wird, um die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse zu informieren, und niemand seinen Inhalt unter Ihrer redaktionellen Verantwortung geprüft hat. Prüfen Sie Inhalt und Fakten selbst mit Sachkenntnis und veröffentlichen ihn mit Ihren Kontaktdaten unter Ihrer redaktionellen Verantwortung, ist das die Art von Prüfung, die die Ausnahme meint.
Gilt das auch für KI-Übersetzungen?
Ja, wenn der übersetzte Text veröffentlicht wird, um über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Die Leitlinien nennen eine von einer Person geprüfte KI-Übersetzung eines von Menschen geschriebenen Artikels als Beispiel, das keinen Hinweis braucht.

Quellen

Zuletzt geprüft am von Volkan Çatak, Gründer, Proofcan.

Keine Rechtsberatung. Diese Seite erklärt amtliche Texte in einfachen Worten und verlinkt jeden davon; prüfen Sie die Quellen oder fragen Sie eine Anwältin oder einen Anwalt, bevor Sie eine Entscheidung darauf stützen.